Franz Joseph AUMANN
Missa Parenti

(Missa de vota parenti, 1757)

Betrachtungen vom Podium herab

“In St. Florian, heißt es, soll das Singen zum Lob Gottes schon aufgehört haben” bemerkt Pater Laurenz Doberschiz 1784 in einem Brief an Pater Pasterwiz von Kremsmünster. Die Reformen im Namen des Humanismus und der Aufklärung von Kaiser Josef II. hatten offenbar ganze Arbeit geleistet. Um 1790 beschäftigte das Stift gar nur mehr zwei hauptamtliche Musiker, den Organisten Karl Ruesch und den Violinisten Franz Hatzinger. Die Zahl der Sängerknaben beträgt kaum mehr als zwei oder drei Burschen.
Aumann wurde 1755 zum “Director chori” ernannt. Damals stand es noch besser um die Kirchenmusik. Immerhin wurde noch 1770-1774 die heute nach Anton Bruckner benannte grosse Kirchenorgel von Krismann unter seinen Augen erbaut. Er verfügte über einen hauptamtlichen Organisten, einen Tenoristen, einen Bassisten und drei Instrumentalisten. Die Zahl der Sängerknaben dürfte aber bereits damals, durch die kaiserlichen Beschränkungen bedingt, nicht mehr als drei Buben betragen haben.

In der Blütezeit der Kirchenmusik im Barock nach den Türkenkriegen standen ungefähr sechs Knaben im Dienste des Stiftes. Damals beschäftigte man aber neben den Discantisten ( Sängerknaben) auch Sopranisten, die höchstbezahlten Kastraten oder die etwas weniger geschätzten Fistulanten. Die erwachsenen Altisten mussten sich mit weit weniger Lohn zufrieden geben, wiederum abgestuft ob sie kastriert waren oder nur fistulierten.

In Aumanns Schaffen lässt sich eine deutliche Beschränkung seiner Möglichkeiten nach den ersten Jahren bemerken. Die vorliegende Messe kommt uns mit den beiden Trompeten und den Pauken durchaus noch mit barocker Üppigkeit entgegen. Seine späteren Messen und die Hauptzahl seiner sonstigen Kirchenmusikwerke beschränken sich bei der Besetzung der Instrumentalstimmen auf das Äusserste (oft nur 2 Violinen, Bass und Orgel).

Für uns heutige Musiker und Musikliebhaber bedeuten diese Vorgaben, dass wir uns mit einem ganz anderen Klangbild anfreunden sollten, als wir es aus der Tradition nach der Romantik gewohnt sind. Dass Frauenstimmen absolut fehl am Platz sind, ist schon vielen klar. Dass aber Knabenchöre, wie sie in den letzten Jahren oft als richtige Besetzung für die Kirchenmusik des Barock und der Klassik betrachtet werden, ebenso falsch sind, ist ein noch etwas ungewohnter Gedanke.

Die fast solistischen Besetzungen der Instrumente und der Sänger ergeben ein Klangbild, das wesentlich farbenreicher ist als mit chorischen Besetzungen. Natürlich kann dabei die geliebte Glattheit und Makellosigkeit kaum erzielt werden, die manche in unserer technisierten Zeit so lieben. Wenn ein Knabe, die Orgel und eine Geige eine Stimme zusammen erklingen lassen, werden oft Farbschattierungen auftreten, die ungewohnt sind, dem Werk jedoch eine Durchsichtigkeit und Mehrschichtigkeit verleihen, die sonst kaum erzielt werden kann.

Aumann liebte die Bratsche. In vielen seiner Kompositionen fällt ihr daher besonderes Gewicht zu. In der «Missa Parenti» muss der erste Geiger in wenigen Sekunden das Instrument wechseln und alsbald im Gratias ein virtuoses Solo auf der Viola anstimmen.

Gunar Letzbor

 

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Originalnoten aus Stift Lambach:
Violino 1: Pdf (33,45 Mb)
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Moderne Augabe ediert von Georgij Antakov
Partitur: Pdf (6,89 Mb)
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Stimmen:
Violino I: Pdf (1.51 Mb)
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